Minilöwen Förderverein für Frühgeborene und kranke Neugeborene e.V.
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Lieber Prof. Thome

Dieser Brief richtet sich an die Mitarbeiter, die in den 7 Wochen, in denen Ben auf Ihrer Station war, mit ihm in Kontakt gekommen sind.

 

Wir möchten uns ganz herzlich bei Ihnen bedanken, insbesondere, weil wir vielen der Mitarbeiter, die uns geholfen haben, nicht danken konnten. 

 

Unsere Beziehung zur neonatologischen Intensivstation begann, als Dr. Pulzer mir die Neonatologie zeigte, während ich in der Geburtenstation darauf wartete, dass etwas passierte. Ich war noch nie zuvor auf einer Spezialstation gewesen, und obwohl sich das Ganze wie eine Flutwelle anfühlte, half mir die Besichtigung, mich zu beruhigen und ich war zuversichtlich, dass wir an der richtigen Stelle waren.

 

Dann wurde versucht die Geburt einzuleiten und sich schließlich für einen Kaiserschnitt entschieden. Ich fühlte mich niedergeschlagen, weil bereits vor  3 Jahre einen geplanten Kaiserschnitt wegen der Positionierung des Beines hatte. Aber ich war auch erleichtert - dass etwas helfen würde. Dann, genau als er entbunden wurde, um 21:30 Uhr, wurde Ben an uns vorbei in das benachbarte Zimmer gebracht. Ich erblickte die Spitze seines Kopfes. Zuerst hatte ich keine Angst, denn Dr. Pulzer hatte mir schon erklärt, dass er nicht sofort zu mir kommen würde, wenn Ben etwas mehr Hilfe brauchte. Da trat Dr. Terliesner auf den Plan.

 

Kurz nachdem Ben in dieses Zimmer gebracht wurde, merkten wir, dass etwas nicht stimmte und ich erinnere mich, wie ich Tom ansah und sagte: "Was auch immer passiert, wir werden es schaffen."

Ich sah in das Fenster des Raumes, in dem Dr. Terliesner stand und versuchte zu ermitteln, was vor sich ging. Nach einigen Minuten sah ich Dr. Terliesner in die Augen. Wenn ich Panik oder Angst gesehen hätte, hätte ich auf eine ganz andere Art und Weise reagiert, aber er gab mir ein kleines Lächeln und irgendwie half mir das zu glauben, dass er in guten Händen war. Ich werde immer an Dr. Terliesner als die Person denken, die Ben in den ersten paar Minuten seines Lebens gerettet hat, und ich werde sicherstellen, dass Ben rechtzeitig über ihn Bescheid weiß - seinen ersten Helden!

 

Weder Tom noch ich konnten Ben für die nächsten Stunden sehen. Was wir nicht wussten war, dass Sie, Professor Thome, schon auf dem Weg waren, um zu helfen, obwohl Sie an diesem Tag bereits gearbeitet hatten. Ich werde immer traurig sein, dass ich in diesen schwierigen ersten Stunden nicht mit Ben zusammen sein konnte, aber ich glaube auch, dass er an der richtigen Stelle war - und er war vielleicht bei der einzigen Person, die ihm helfen konnte. Einige Stunden später, gegen 4:30 Uhr, konnte Tom endlich Ben treffen. Er beobachtete und sprach mit Ihnen, Professor Thome, und sah, dass Sie über ihn wachten. Vielen Dank Prof. Thome, dass Sie dort waren und Ben die Fürsorge gegeben haben, die wir ihm nicht geben konnten. Danke, dass Sie meinem Sohn das Leben gegeben haben, was er jetzt lebt.

 

Als wir die Station und die Ärzte und Krankenschwestern besser kennenlernten, passten wir uns langsam der Realität eines kritisch kranken Babys an. Als ich Ben zum ersten Mal traf, erklärte Dr. Pulzer, was auf uns zukommen würde. Seine Ehrlichkeit und Offenheit, als er einer tränenreichen Mutter die Situation erklärte, war genau das, was ich brauchte. Ich möchte ihm dafür danken, dass er mir alles sagte, ehrlich war und wusste, dass ich damit umgehen konnte.

 

Später traf ich Dr. Knüpfer. Ich werde mich immer an die Unterhaltung erinnern, die wir an Bens Bett hatten, als er mir sagte: "Wir können weinen, ja, wir können zusammen weinen, aber nicht hier. Nicht mit Ben. Wir müssen uns auf ihn konzentrieren und er muss kämpfen, damit es ihm bald besser geht, und wir müssen bei ihm sein und kämpfen." Ich möchte ihm für dieses Gespräch danken.

 

Ich möchte ihm auch dafür danken, Wochen später bemerkt zu haben, dass ich besorgt über Bens Fortschritte war und er mir eine Revisionsstunde über die Anatomie des Herzens gab und mir beibrachte, wie man ein Röntgenbild der Lunge betrachtet. Unter anderen Umständen hätte ich es genossen. Wieder war es genau das, was ich brauchte, als ich es brauchte.

 

Der Tag, an dem Ben ins Herzzentrum gebracht wurde, war das härteste in unserem Leben. Wir konnten die Ernsthaftigkeit, der auf Ihrem Gesicht geschriebenen Situation sehen, wie Sie gesagt haben: "Wir müssen reden", aber wir waren dankbar für Ihre Ehrlichkeit. Wir verbrachten die Stunden, die wir nicht mit ihm zusammen sein konnten, weil er seine Reise machte, damit darüber zu reden, worauf wir uns als Familie freuten, wenn er nach Hause kommen würde. Wir haben uns auch kurz gesagt, dass es ein weiteres mögliches Ergebnis geben konnte. Als Dr. Knüpfer und Dr. Pulzer durch die Tür brachen, um uns zu sagen, dass er es geschafft hatte, konnte man sehen, wie glücklich sie waren. Nur darüber nachzudenken, bringt mich jetzt zum Lächeln.

 

Eine der ersten Beobachtungen, die Tom machte, als Ben wieder auf Station ankam, war, wie die Krankenschwestern Ben nicht so behandelten, als ob er zerbrechen würde, sondern dass ihre Hände die Erfahrung und Zuversicht im Umgang mit einem so fragilen Leben zeigten. Jede Bewegung bedacht, aber so oft praktiziert, mit Präzision und Anmut ausgeführt. Ich könnte leicht mindestens 10 Krankenschwestern mit Namen auflisten und Ihnen sagen, warum sie uns so viel bedeuten. Maria, alle Stephs, beide Tinas, aber es gibt viele mehr, an deren Namen ich mich jetzt nicht mehr erinnere, leider (obwohl ich mich immer an ihre Gesichter erinnern werde). Jeder von ihnen hat uns geholfen, mit Ben eine Bindung aufzubauen, durchzuhalten und uns als wichtigen Teil der Unterstützung, die er brauchte zu empfinden. Vielen Dank an jeden von euch, der uns und Ben geholfen hat, ob wir uns kennengelernt haben oder nicht.

 

Während der Zeit, in der Ben im Krankenhaus war, hatten Tom und ich Stunden und Stunden Zeit zum Reden; an seinem Bett, im Auto oder beim Essen zwischen den Besuchen. Wir haben wahrscheinlich mehr geredet, als je zuvor. Aber wir hatten auch genügend Zeit, um zu pausieren; entweder um mit Ben zusammen zu sein oder um die Ärzte und Krankenschwestern bei der Arbeit zu beobachten. Dies gab uns Raum, um zu verarbeiten, was geschah und um die Erfahrung zu leben, wie sie sich entwickelte. Es hat wirklich geholfen. Ihn immer besuchen zu können hat für uns wirklich einen Unterschied gemacht.

 

Im Gegensatz zu dem, was man erwarten würde, haben sowohl Tom als auch ich gesagt, dass die ganze Erfahrung für uns nicht als grauenvoller Albtraum in Erinnerung bleiben wird. Wir haben Tag für Tag die besten Leute gesehen. Eltern, die sich gegenseitig unterstützen, Hände hielten. Krankenschwestern, die wussten, wenn etwas nicht ganz richtig war, und uns unterstützten, ohne es zu hinterfragen, und ein intimes und privates Niveau schafften an einem fast unmöglichen Ort. Das Nachsorge-Team, das bei kleinsten Sorgen dabei war. Ärzte, die immer zur Stelle waren, um Fragen zu beantworten - wir hatten immer das Gefühl, dass jemand plötzlich bei Bens Bett verfügbar war, sobald wir eine Frage hatten.

 

Eines der Dinge, für die ich als Elternteil eines Kindes auf Ihrer Station am meisten dankbar war, war die Zeit, die wir bekamen. Wir fühlten uns nie gehetzt, nicht einmal wenn wir uns mit dem Personal auf der Station unterhielten. Nicht an den kritischsten Tagen und nicht in seiner letzten Woche - und wir haben viele Fragen gestellt! Wir hatten nie das Gefühl, dass wir nicht länger bleiben könnten. Wir haben uns nie als störend empfunden. Es wurde uns immer zugehört. Wenn wir eine Frage stellten, erhielten wir eine Antwort und die Ehrlichkeit dieser Antworten war hilfreich.

 

Wenn ich an die Pflege denke, die Ben erhalten hat, bin ich voller Ehrfurcht vor den Kosten, dem Wissen und der Zeit, die er allen abverlangte. Ich bin und werde immer dankbar sein, dass es Menschen gibt, die glauben, dass diese kleinen Menschen jeden Cent verdienen, jede Person, die Teil der Station ist und jede Minute, die sie gegeben haben.

 

Vielen Dank noch mal. Wir werden Sie immer in unseren Herzen tragen und immer dankbar sein.

 

Bens Eltern